Im Kyo sein oder: Über Druck und Widerstand

21.01.2020

Es gibt eine Grundhaltung, die ich über Jahre im Shiatsu gelernt haben, ich kam aber wohl auch schon mit einer Portion davon 2006 an das Europäische Shiatsu Institut. 

Es geht um die Haltung des völligen "Sichzurücknehmens". Im Kyo sein. Ich beobachte Menschen immer nach diesem Kriterium. Wie sehr nehmen sie sich zurück und wie sehr drücken sie sich mir auf. 

Im Shiatsu wird der Widerstand spürbar. Druck, der tatsächlich Gegendruck erzeugt. 

Eine Schallwelle ist auch Druck. Eine LuftDRUCKschwankung. Jemand sagt etwas, das sich durch die Luft bewegt und etwas im anderen verformt (nicht willkürlich, nur so nebenher). Man drückt dem anderen etwas rein! 

Wenn ich nichts sage, dann drücke ich dem anderen auch nichts rein! 

Geschriebenes verhält sich passiv. Es erzeugt keinen Druck. Denn niemand kann zum Lesen gezwungen werden. 

Sprechende Menschen sind weitaus erdrückender in ihrer Existenz und in ihrem häufig vorhandenen Wunsch, sich sichtbar (und hörbar) zu machen. 

Ich darf den anderen vielleicht berühren! Und wenn ich diese Erlaubnis habe, dann wende ich keinen Druck an. Weder physisch noch verbal. Dann passiert etwas - und es passiert auf wundervolle Art und Weise. 

Es bewegt sich in druckfreier Atmosphäre immer etwas, das sich unter Druck nicht bewegen konnte. Immer! 

Manche Menschen stehen unter "einem hohen Druck". Doch wo kommt der Druck her? Und wie kann Druck aus der Situation genommen werden?

Wer sich für Zen-Shiatsu interessiert, der kann diese wunderbare Diplomarbeit lesen, darin findet sich auch eine Einführung in die Konzepte Kyo-Jitsu ...