Im Tarnanzug gegen Omikron oder: Über die Gefährlichkeit der Kriegsmetapher und die Neutralität des Seienden

07.01.2022

Wäre die Lage nicht so, wie sie ist - Omikron treibt die Zahlen in die Höhe und wir in Österreich spucken ja quasi alle 48 Stunden in einen Behälter, um unseren "Status" zu erfassen - könnte man sich wundern. 

Da tritt nun also Rudolf Striedinger - Generalmajor und Leiter unseres GECKO-Krisenstabs - im Tarnanzug vor die Presse. 

Wir führen hier jedoch keinen Krieg. Diese Metapher ist vollkommen irreführend und nährt mE jene Gewalt, die wir zunehmend beobachten und die mich fassungslos zurücklässt. 

Können wir diese Problematik nicht nüchtern betrachten? Bitte!

Viren kämpfen nicht! Es sind vollkommen neutrale Informationseinheiten. Wie auch Impfungen per se neutral sind. Wie auch Medikamente per se neutral sind. Wie auch Erkrankungen per se neutral sind. 

Das Seiende - dazu gehören Viren, Bakterien, Impfungen, Medikamente, Pflaster, Nadeln, Druckknöpfe, Hosenanzüge, Beinvenenthrombosen, Nasenhaare, Büroklammern (ad inf.) - bezieht keine "Position". Es verhält sich vollkommen neutral. Ist weder an sich "gut", noch an sich "böse". 

Viren "schlagen nicht zurück". Sie bilden auch keine "Wand". Das alles passiert hier nicht wirklich. 

Wir sind von Viren umgeben, die uns krank machen können. Das ist alles. Wir können uns dagegen schützen. Aber auch diese Schutzmöglichkeiten haben keine "Farbe" an sich. 

Hört endlich mit dieser Kriegsmetaphorik auf! Sie ist brandgefährlich. Sie bringt Menschen gegeneinander "in Stellung". 

Bitte - beendet das! Lasst uns nüchtern diskutieren!

Und ziehen Sie den Tarnanzug aus, Herr Striedinger! Nicht nur, dass dieser Ihnen hier nicht nützt. Erinnern Sie sich: Österreich ist neutral. Das ist vermutlich der Grund, warum ich hier geboren wurde. Ich wollte immer in einem neutralen Land leben, schon in meinem letzten Leben ...