Komplexe Systeme oder: Das Ruder "herumreißen"?

20.09.2020

Wenn wir davon ausgehen, dass das Klima ein langsamer, träger und komplexer Prozess ist, so - wie sollen wir "das Ruder herumreißen"? Was wir jetzt erleben, das sind die Auswirkungen der letzten Jahrzehnte. Es sind die Schandtaten der 60-er, 70-er, 80-er, 90-er-Jahre ... 

Ich fürchte, da ist nichts "herumzureißen". 

Da ist etwas langsam in eine andere Richtung zu verändern. 

Will mich zwar hier nicht einem Fatalismus ergeben, aber "herumreißen" können wir das Klima nicht. Das ist unmöglich. Langsam können wir anders wachsen.

Dazu scheinen wir Menschen durch das Netz und Algorithmen manipulierbar geworden zu sein. Wir werden mit bestimmten Reizen bombardiert und scheinen dann unser Wahlverhalten in die eine oder andere Richtung verändern zu lassen. 

Menschen, die sich nicht ganz sicher sind, wen oder was sie wählen wollen, sie lassen sich gezielt "umstimmen". Und wenn nun wieder Trump ...

Nun - ich mache mir jetzt (05:46) wohl besser einen guten, warmen Tee und schreibe hier nicht weiter. Ich höre Bach-Kantaten. Sie beruhigen meine Seele ebenso gut und schnell wie die Philosophie. An diesem Sonntagmorgen. Alle schlafen hier noch. Dazu lese ich "Making Social Worlds" von W. Barnett Pearce. Nicht nur soziale Welten entstehen kommunikativ. (...)

Ich bin Philosophin geworden, um ein gutes Leben leben zu können. Gedanken können sehr glücklich machen. Sie können auch das Gegenteil bewirken. Sie können sehr unglücklich machen. Ich habe mich schon in jungen Jahren für die Freiheit der Wahl entschieden. Für das Leben in Freude. Es ist eine Entscheidung. Auch wenn wir mitunter meinen, dass wir von anderen gelebt werden. 

Wir können aber die Einflussfaktoren genau analysieren, sie zerlegen (rekonstruieren und dekonstruieren). Wir müssen uns nicht von Algorithmen manipulieren lassen! Wir können - wenn wir nicht aufpassen. Auch das ist eine Entscheidung. Wir können achtsam sein - oder nicht. 

Wir haben immer die Wahl, bei jedem noch so kleinen Schritt im Leben. Bei jedem noch so kleinen Wort. Die Wahl! Und diese Wahl zu haben, sie zu sehen (vor dem inneren Auge) - das ist geistige Freiheit.