Meine Tätigkeit bis Ende Juni 21 - ein kurzer Bericht

27.04.2021

Seit September letzten Jahres arbeite ich als freie Dienstnehmerin mit Kindern und Jugendlichen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (angebunden an eine österr. Organisation für Menschen mit ASS). Einerseits in der Freizeit, andererseits in der Schule. 

Ich lerne sehr viel von diesen Kindern und Jugendlichen. Mich fasziniert ihre Sprache und Bedeutungsgebung - die Detailverliebtheit und die Sensitivität ihrer Wahrnehmung. Ich fühle mich wohl unter ihnen. 

Gestern habe ich - mitten im Spiel - testhalber das Datum meiner Uhr verstellt. Diese kleine Bewegung genügte, um das Kind, das ich begleite, völlig aus der Konzentration zu bringen. Wenn ein Handy läutet, so ist es, als würde eine Granate einschlagen. Im Kinderzimmer. Darum läutet es bei mir schon länger nicht mehr. Ich schalte es immer aus, wenn ich bei den Kindern und Jugendlichen bin.

Mit einem Jugendlichen spreche ich und gebärde dazu. Ich bringe mir das seit Monaten bei - und bin immer wieder erstaunt, wie naheliegend Hauptwörter in Bewegungs- und Berührungsmuster umzuwandeln sind. Bei den Verben sieht es anders aus (das finde ich nicht so naheliegend). Zu ganzen "Sätzen" sind wir noch nicht gekommen. Und werden wir auch nicht mehr. Acht Wochen noch - dann endet meine Tätigkeit dort. Und ich habe jene Stunden beisammen, die ich brauche, um als Psychotherapeutin in freier Praxis (in Ausbildung unter Supervision) zu arbeiten. 

Ich habe sehr viel gelernt - in den vergangenen Monaten. Auch in dieser Arbeit zeigt sich, dass die Art und Weise der Kommunikation der Schlüssel ist - in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Es gibt keinen anderen Weg der Begegnung. 

Und es ist keineswegs beliebig, wie die Kommunikation zu gestalten ist, damit ein Mensch mit einer autistischen Wahrnehmung in seiner Welt zurechtkommt - besser gesagt: Mit mir in seiner Welt (!) zurechtkommt

Denn immer noch dringe ich hier ein, kaum befinde ich mich in der Nähe, im Raum, im Gegenüber. Es entsteht eine Begegnung durch Blickkontakte, Begriffe, Gesten. Und es ist nicht beliebig, wie diese aussehen, damit eine gute Zusammenarbeit - etwas Schönes - gelingen kann. 

Ich bin sehr dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte und darf. Gleich muss ich los. In die Schule ...