Jacob L. Moreno oder: "Buber und die Begegnung bleiben im Buch stecken."

24.01.2020

"Buber und die Begegnung bleiben im Buch stecken." (Moreno; s.u. S. 103)

Dieser Satz Morenos amüsiert mich schon den ganzen Vormittag, oder eigentlich schon den gestrigen Tag. Ich glaube, das ist das Lebensthema von mir, seit zwanzig Jahren. Erkenntnisse, die in Büchern stecken bleiben, anstatt lebendig zu werden, gelebt zu werden.

Wo war bisher Jacob L. Moreno in meinem Leben? Wie kommt es, dass ich systemisch verbildet bin? Und nicht psychodramatisch gebildet? Wo war das Psychodrama, als ich in Wien Psychologie und Philosophie studierte? Es ist mir wirklich nicht begegnet. Das Systemische hingegen an jeder Ecke ... 

Nun ist es mir begegnet - und die Begegnung ist nachhaltig und wirksam! 

"Zusammenfassend kann daher gesagt werden, daß die Doppelgängertechnik, die Spiegelmethode und der Rollenwechsel den drei frühesten Phasen in der Entwicklung des Kindes entsprechen. Die Doppelgängertechnik entspricht der Identitätsphase des Kindes, der Zeit, in der es die ganze Welt als eine Einheit erlebt. Die Spiegeltechnik entspricht der Phase, in der langsam die Spaltung zwischen Ich und Du erlebt wird. Es ist die Zeit, in der das Kind sich selbst kennenlernt als ein Indidivuum, getrennt von anderen Individuen. Durch den Rollenwechsel wird es allmählich mit der Realität der Du-Welt bekannt. Diese drei Methoden sind also zutiefst verknüpft mit den dynamischen Kräften menschlichen Wachsens und können daher in fruchtbarer Weise in die Behandlung von Geisteskranken und allen menschlichen Beziehungen angewandt werden." (S. 88)

"Unter "pathologisch" verstehen wir nichts Absolutes. Vom Standpunkt des Universums gibt es keine "Pathologie", nur vom Standpunkt der menschlichen Wissenschaften." (S. 53)

Aus: Jacob L. Moreno, 2008, Gruppenpsychotherapie und Psychodrama. Thieme, (Erste Auflage 1959).