Begriffe als Berührungen oder: Kurze Bemerkungen über Ethik

25.08.2020

Die Frage ist immer: Wie handeln Menschen, wenn sie einen bestimmten Denkansatz in ihrem Inneren wiederholen? Und das möglicherweise über Jahre und Jahrzehnte. Wie handeln sie?

Wir spüren den ganzen Tag in uns hinein - wir haben gar keine andere Wahl. Und wir spüren andere Menschen, akustisch!

Mit jemandem zu sprechen bedeutet, von dieser Person berührt zu werden und sich selbst zu berühren. 

Wir könnten auch achtsam mit unseren Berührungen umgehen und diese Achtsamkeit zur Grundlage unseres Handelns machen.

Nicht die Vergrößerung der Wahlmöglichkeiten (keine rationale Analyse), sondern das feinfühlige Erspüren des anderen, sei es ein Mensch oder ein kleiner Käfer auf der Straße, kann als Grundlage des Handelns dienen. 

Wie fühlt sich ein Begriff an, wie fühlt sich ein Griff an, wie fühlt sich ein Schritt an? 

Wenn ich mich daran orientiere, dann spüre ich unmittelbar mein Handeln. Es wird schwieriger, andere zu verletzen. Es wird schwieriger, sich selbst zu verletzen. 

Die Frage bleibt, wie mit Menschen umzugehen ist, die mit der Keule in der Hand durch das Leben gehen, und anderen Menschen systematisch auf den Schädel schlagen. 

Hier ist es immer günstig, den Kontakt zu lösen. Wenn man das Schlagen dieser Person an sich unterbinden will, so kann es manchmal notwendig werden "zurückzuschlagen". Auch um andere (nachkommende) Menschen zu schützen.

Da es sich beim Sprechen um verkörperte Berührungen handelt, ist dies auch verbal möglich. Es ist nicht notwendig, handgreiflich zu werden. Das ist nie notwendig! 

Wir kennen das ja alle. Wir wissen, wie sehr unsere Worte andere verletzen können. Wir wissen, wie wir uns mit unseren Begriffen im Inneren selbst verletzen können. Unsere Begriffe können auch andere (und uns selbst) umschmeicheln. Sie können Druck aus einer Situation nehmen. Wir haben die Wahl, wie wir sie gebrauchen! Immer. Was das betrifft, sind wir frei. Grundsätzlich frei, in jeder Situation andere Begriffe zu gebrauchen. Das heißt nicht, dass wir das immer gleich umsetzen. Aber die Möglichkeit, die haben wir immer. 

Begriffe sind Berührungen, die in der Tiefe ankommen! Dieser Gedankengang, der sich logisch rekonstruieren lässt, stellt meines Erachtens eine (von vielen) Brücken zwischen unseren Begriffen und unseren verkörperten Empfindungen (Gefühlen) dar.