Der Akt des Beobachtens öffnet die Welt

09.12.2019


In dem Moment, in dem wir etwas aussprechen, das sich "in der Welt" oder auch "in einem Subjekt" zeigt, haben wir etwas begrifflich gefasst (sonst könnten wir es nicht aussprechen), beobachtet und im Akt des Unterscheidens, im Akt des Beobachtens, öffnet sich die Welt. Wir konstruieren sie nicht "irgendwo" (schon gar nicht nur im Hirn) - sie ist vielmehr immer schon da, wenn wir über sie reden. Auch das Hirn unterliegt dieser Form der Unterscheidung, ist also unser Konstrukt (es existierte nicht als "Hirn", wenn es niemand von all den anderen Strukturen gedanklich trennte, in die es real eingebettet ist). 

Das Öffnen der Welt im Akt des Beobachtens betrifft nicht nur die sogenannte Außenwelt, es betrifft immer auch den Beobachter, der beobachtet. Daher ist auch der Körper, kaum ist er begriffen, kaum wird er fühlend erfasst, kaum spüren wir ihn, Teil unserer Welt - er kann aber nicht Teil unserer Welt sein, wenn wir hier nichts wahrnehmen, nichts begrifflich begreifen - sei es visuell, akustisch, taktil, olfaktorisch u.s.w. - wir brauchen diese permanenten Rückkoppelungen, sonst hören wir auf, uns zu spüren. Und wer sich gar nicht mehr spürt, der fühlt sich auch nicht. 

Dieser Mensch begreift sich nicht.

In der Körperarbeit, in der intensiven Beschäftigung mit dem Körper, fängt man an, den Körper in seiner ganzen Ausdruckskraft im Raum wahrzunehmen, seine Ausdehnung zu spüren, jeden einzelnen Finger präsent wahrzunehmen, Spannung und Entspannung wahrzunehmen. Mein Körper ist für mich heute ein anderer - ich nehme ihn anders wahr, deutlich bewusster - als noch 2006 (damals hatte ich keine Ahnung, welche unendliche Variabilität an zwischenmenschlichem Kontakt verkörpert möglich ist - das lernte ich erst im Zen-Shiatsu, in der Körperarbeit).