Zur operationalen Schließung oder: Über das Grausen

12.01.2020

Wenn der Ansatz nur komisch wäre, dann wäre er ja gut und harmlos. Aber dieser Ansatz ist gefährlich, denn geht jemand davon aus, dass das Gegenüber psychisch "operational geschlossen" ist UND auch - noch dazu - Wortbedeutungen "subjektiv" sind (siehe Ernst von Glasersfeld, ein radikaler Konstruktivist), dann bleibt kein sinnvoller Grund mehr, überhaupt mit dem anderen ein sinnvolles Gespräch zu suchen. Es bleibt gar nichts mehr. 

Monaden, die neben Monaden leben, und diese Monaden gehen in den Kontakt, bilden Umwelten - ohne sich je in der Tiefe berühren zu können. Was für ein entsetzliches Denken!

Aber es ist logisch nicht stimmig (was für ein Glück) - denn wir Menschen sind immer AUCH offene Systeme. Offene Systeme, die sich schließen können. Beide Varianten sind im Blick zu haben - offen und geschlossen. Beide Seiten der Unterscheidung. 

Wer sich (nur) als (operativ) geschlossen denkt, der kann das nur tun, weil er davor hinreichend offen war, um den Ausdruck "geschlossen" überhaupt zu begreifen. 

Aber es ist untragbar, dass diese operativ geschlossene Monaden-Philosophie unter Menschen gebracht wird, noch dazu als Einführungsliteratur, ohne darauf hinzuweisen, dass es sich nur um einen Ansatz handelt, der kritisch zu behandeln ist. Höchst kritisch! 

Dieses Denken hat Handlungskonsequenzen, ich beobachte sie seit geraumer Zeit und mit anhaltendem Grausen.