Wenn sich das Weltbild durch Erkenntnis ändert

15.05.2024

Damals leitete den Laden noch Fr. Ulrich, nicht Hr. Ohler. Das waren noch Zeiten ...


Nie werde ich vergessen, wie mir 2001 (ich war 23 Jahre alt) klar wurde, dass das Gesprochene aus Wellen besteht - und nicht aus "Zeichen". Nie werde ich diesen Tag vergessen. Ich fuhr nachts mit dem Fahrrad durch Wien. Frei. So frei, wie ich mich nie wieder in meinem Leben fühlen sollte. Ich musste meine Dissertation, die bereits eingereicht und mit "Ausgezeichnet" benotet war, umschreiben und dann das Ganze publizieren.

Ich schrieb in kürzester Zeit "Über die Beziehung zur Welt" und bekam eine Zusage zum Druck vom "Carl-Auer Verlag" in Heidelberg. Im Januar 2002 erschien das kleine Buch. 80 Seiten. Mehr Geld hatte ich damals nicht. Ich musste für jede Seite bezahlen. Meine Mutter gab mir keinen Euro/Schilling dafür. Sie hielt nichts von meinen philosophischen Ambitionen - studierte Biologin, die sie war. Vermögende Geschäftsfrau dazu. Sie hielt schon nichts von meiner Studienwahl. Wer studiert Psychologie? Aber gut, das ist eine andere Geschichte. 

Wenige Monate später teilte mir der Verlag mit, dass sie mein Buch aus dem Programm nehmen. "Umstrukturierung der Verlagsreihe". Oder Freunderlwirtschaft? Zuständig war damals Herr Fischer. Und der verhabert mit einem österr. Philosophen, welcher meinte, den "Non-Dualismus" erfunden zu haben. 

Wir kannten uns flüchtig, der Philosoph und ich. Ich habe ihn in einem Wiener Café damals einmalig getroffen (auf den Kontakt hat mich damals Giselher Guttmann gebracht - ich habe von dem Herrn zuvor weder gelesen noch gehört gehabt, was jedoch nichts zu bedeuten hatte) und ihm freundlich gesagt, dass er den "Non-Dualismus" gewiss nicht erfunden hat - noch nicht einmal den Begriff. 

Seither mochte er mich nicht mehr - aber er kannte wohl Herrn Fischer. Und er hat mir damals sogar ein Empfehlungsschreiben für meinen Projektantrag beim Forschungsförderungsfond geschrieben. 

"Non-dualism and its Implications for Cognitive Science" habe ich mein Projekt getauft - nur um dieses Empfehlungsschreiben gleich darauf dann wieder zurückzuziehen und mich dort des Plagiats zu bezichtigen. Tja - ich habe dennoch das "Schrödinger-Stipendium" des Forschungsförderungsfonds erhalten, musste aber meinen Antrag damals noch einmal einreichen (der ganze Zirkus hat mich 1 1/2 Jahre gekostet). Ich musste mir die Antworten zu der Frage, wie überhaupt ein Antrag beim FWF auszusehen hat, eigenständig aus den Fingern saugen. Es wurden damals zwanzig englischsprachige Seiten. Aber ich hätte 2002 auch ohne Stipendium in die USA "auswandern" können und eine Stelle an der Universität dort bekommen. Ich wollte nur nicht auswandern. Ich wollte - langfristig - in Österreich bleiben. Unterstützt wurde ich durchgehend von einem der einflussreichsten amerikanischen Psychologen. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein "Goldstein" in der Sache. 

Dass ich den Antrag in Wien noch einmal einreichen konnte, habe ich auch einem großen Geist zu verdanken. Einem sehr großen. Er fragte mich damals in einem persönlichen Gespräch:

"Warum schreibt Ihnen jemand ein Empfehlungsschreiben und zieht es dann wieder zurück und zeigt Sie an?"

Ich sagte: "Wenn jemand glaubt, den "Non-Dualismus" erfunden zu haben und dann sagt ihm jemand, dass das leider nicht so ist. Was macht das in einem Menschen?"

Wir haben uns verstanden. 

Aber das mache ich hier nicht öffentlich. Ich habe diesen wundervollen Menschen 2017 wieder gesehen. Das hat mir mein Bruder eingefädelt. Ich habe mich bei ihm bedankt. Vielfach. Ich hatte aber damals auch schon Feinde. Leider!

Der Verleger Fritz B. Simon entschuldigte sich viele Jahre später (2016) bei mir für das Exen meines Buches in seinem Verlag. Er traf mich zum Dinner in einem Wiener Lokal, was mir eine Ehre und Freude war. Hätte er ja nicht tun müssen. Das Essen hat er auch bezahlt. 

Simon ist jedoch sehr schwierig - menschlich. Ab August 2018 (er hat den Text "iKlo" verfasst - mich nicht nur zum "Brunzen" geschickt) erfolgte der Bruch. Zwischen 2005 und 2015/2016 war meinerseits zehn Jahre Pause (den Carl-Auer Verlag gab es in dieser Zeit, wie mir scheint, auch weiterhin, zumindest bekam ich von der Belegschaft jährlich eine persönlich unterschriebene Geburtstagskarte, was mich gewundert und gefreut hat - beides zugleich; erst schrotten sie mein Buch nach wenigen Monaten, so dass es nicht mehr lieferbar war, und dann senden sie mir jährlich Geburtstagsglückwünsche zu - werden andere Autoren und Autorinnen dort auch so merkwürdig behandelt?). Dann habe ich wieder auf der Carl-Auer Seite zu bloggen begonnen, die Idee für eine systemische Arbeit zur Demenz entwickelt. 

Ich habe mir die Rechte für das Buch  "DemenZen" (erschienen im Frühjahr 2018) schließlich zurückgeben lassen, Simons Vorwort gelöscht. In dieser Arbeit habe ich meine Kritik am radikalen Konstruktivismus artig und systemkonform umschifft - ich wollte, dass das Buch erscheint. Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. 

Es gibt Menschen, die niemanden dulden, die ihnen und ihren inneren Theorien (die ihnen Halt geben) widersprechen. Menschen, die auch nicht freundlich grüßen können. Und ich halte viel vom freundlichen Umgang. Aber ich vergebe ihm. Und ich vergebe mir - denn ich habe den Verleger häufig wissen lassen, was ich von ihm halte. Zumindest hat er mich endlich verstanden. Circa 15 Jahre hat es gedauert. Nur um dann ... - aber lassen wir das. 

Es ist egal. Es gibt viele andere Verleger, viele andere Portale. 

Ich verstand schon 2002 wie der Hase läuft. Und publizierte 2008 im Passagen-Verlag. Auch die "Philosophie eines mittleren Weges" ist 2020 dort erschienen, in meinem geliebten Wien. Besser kann ich es nicht mehr schreiben. Weder besser, noch kürzer. Sollen es andere tun. 

Dass andere die Dimension dieses Gedankens nur langsam begreifen - das wurde mir erst nach und nach klar. Aber - sonst hätte ich ihn wohl zuvor auch in der Literatur ausgearbeitet gefunden. Was nicht der Fall war. Und - wie das Ganze zu Papier bringen? Wie? Wie darüber schreiben?

Und warum steht das nur da und dort - in vorwiegend buddhistischen Texten. Verklausuliert. Hinter der Leerheit versteckt. Es muss Gründe geben. Ich suche die Gründe. Bis heute. 

Niemandem ist es "überzustülpen"! Freiheit im Geiste!

Die größte Gnade meines Lebens! Und - dass ich nun immer noch am Leben bin. Danke!

Ich nehme das alles nicht mit ins Grab. Diese Domain - www.constructivismandcomic.at - läuft jetzt einmal bis 2034. Und dann wird sie - so hoffe ich - verlängert werden.