Praktische Philosophie - Was sollen wir tun?

15.02.2026

Sollen wir uns wie Rotzlöffel verhalten? Sollen wir andere beflegeln, beschimpfen, bedrohen? Sollen wir in ICH-MEIN-MICH-Mustern denken und handeln? Stets den eigenen Profit und die eigene Macht als Prioritäten setzen? Und warum sollen wir das nicht tun?

Diese Fragen sind nicht nur im eigenen, kleinen Leben (in der Familie, unter Freunden) relevant, sondern auch im Berufsleben (als Politiker:innen, Lehrer:innen, Psychotherapeut:innen, Unternehmer:innen etc.). Was also sollen wir tun?

Am Ende und am Anfang ist alles eine Frage der Ethik. Schon die Geburt. Kommen wir überhaupt auf die Welt, oder werden wir schon im Keim erstickt - abgetrieben. Die Frauen haben es mehr oder weniger in der Hand, auch wenn es meist zwei braucht, um einen Embryo/Fötus zu töten. Die Frau, die die Tötung veranlasst und eine Person, die sie durchführt (bzw. ein Präparat, das jemand hergestellt hat und das käuflich zu erwerben ist). Ob wir leben oder nicht leben, es liegt nicht in unseren Händen. Auch nicht wie wir dann - in der sehr langen Entwicklung, die wir Menschen durchlaufen (von Babys zu Kleinkindern, Schulkindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen ...), von anderen behandelt werden. Zumindest in den ersten Jahren liegt es so gar nicht in unserer eigenen Hand. Es liegt nicht in unserem eigenen Ermessen ob wir geschlagen werden, oder nicht. Gefüttert werden, oder nicht. Geliebt werden, oder nicht.

Nun - was kann zur Grundlage unseres Handelns dienen? Was kann uns in unserem Handeln leiten? 

Wir wissen, dass das Leben per se leidhaft ist - und das bedeutet: Wenn wir nichts tun, verhungern wir, verdursten wir, sterben wir. Um am Leben zu bleiben, müssen wir essen, trinken, brauchen Wärme, Nähe. Das alles muss uns von anderen gegeben werden. Das Leben wird uns von anderen geschenkt. Und dieses Geschenk, es ist die Grundlage unseres Daseins. 

Wir können sogar noch weiter zurückgehen, nach dem ersten Menschen fragen. Wer hat den ersten Menschen "entworfen"? Wo kommen wir her? Und zweifelsfrei ist der erste Mensch das größte Geschenk - denn sonst wären wir alle nicht hier, um das eine oder andere zu tun.

So kann als Grundlage des eigenen Handelns der Dienst am Nächsten wichtiger werden als das ICH-MEIN-MICH - denn wir verdanken alles unseren Nächsten, mit denen wir in der Tiefe immer auch verwandt sind

Wenn uns das bewusst wird, können wir den Blick vom engen ICH-MEIN-MICH weiten. Aus Dankbarkeit den anderen gegenüber, die uns das Leben geschenkt haben. 

Wo ein einzelner Politiker keine innere Ethik verfolgt, da kann es sie auch "in der Politik" nicht geben. Wo eine Mutter, ein Vater, keine innere Ethik verfolgt, da kann es sie auch in der Familie nicht geben. 

Diese innere Ethik kann, da das Leben per se leidhaft ist, nur die Reduktion des Leids im Blick haben. Alles andere macht keinen Sinn. 

Lassen wir dem Leben einfach seinen Lauf, ohne jegliche Anstrengung, so hätte es keinen Zweck. Der Zweck kann nur sein, das Leid - das dem Leben inhärent ist - zu reduzieren.