"Möchtest Du ein Twinni?" oder: Über Flashbacks
Manchmal habe ich Flashbacks. Gestern abends beim Yoga, wir sollten gerade unsere Gesäßmuskeln fest zusammenkneifen und dabei "Ha" chanten - da hatte ich einen Flashback. Ich weiß zwar nicht, wie die Verschaltung zwischen meinem Popomuskel und einem Twinni genau funktioniert, ich weiß nur, dass ich an eine Szene im Krankenhaus vor ziemlich genau drei Jahren denken musste, während ich "Ha" chantete (wir Menschen sind schon wirklich ertaunliche Gestalten), als ich gerade auf der Einzelbettenstation in einem der obersten Stockwerke des AKHs aufgenommen worden war (ich sollte dort drei Wochen verbringen und es sollten drei Wochen zwischen Leben und Tod sein). Die Tür ging auf und eine Krankenschwester kam herein. So weit, so gut. Und an und für sich nichts Ungewöhnliches für ein Krankenhaus. Sie sagte:
"Ich hoffte, Du bist es nicht."
Ich kannte die Dame nicht. Nie gesehen.
"Aber Du bist es."
Ich kannte sie immer noch nicht. Wir waren ja auch erst einen Satz weiter.
Sie erkannte mich auch glatzköpfig. Ich überlegte still, ob das nun als gut oder eher als schlecht zu bewerten sei, oder gar nicht.
"Wer sind Sie?", stammelte ich. Aufrecht und noch im Straßengewand auf meinem Bett sitzend.
"Ich bin vor dreißig Jahren aus Jugoslawien nach Österreich geflohen und Deine Mutter hat mir Arbeit gegeben. Ich war auch oft bei ihr zu Hause, kenne Dich von ihren Geschichten und Fotos. Deine Mutter hat mir so viel gegeben. Jetzt gebe ich es Dir zurück. Wenn Du ein Twinni möchtest, bringe ich Dir ein Twinni." Sie strahlte.
Ich fragte mich still: "Warum soll ich, wenn ich hier um mein Leben kämpfe, ein Twinni essen wollen? Ich soll doch keinen Zucker essen ..."
"Manchmal braucht man bei Chemotherapien etwas Kaltes. Ich bringe Dir, was auch immer Du möchtest."
"Mama!", sagte ich still und etwas hilflos. Ich spürte meine 2006 verstorbene Mutter im Raum. "Findest Du das komisch?" Es war genau der Humor meiner Mutter. Unnötig zu sagen, dass dann auch noch das EKG-Gerät verrücktspielte, eine Nulllinie zeichnete, und die liebe Krankenschwester ganz panisch wurde. Ich saß mit roten Wangen (und schon in einem gestreiften Anstaltsnachthemd) im Bettchen und lächelte verlegen. Aber ich schweife ab.
Das alles fiel mir gestern ein, als ich meinen Arsch angestrengt zusammenzwickte. Ich musste laut lachen. Ich lache manchmal laut und keiner weiß warum. Ist das menschliche Denken nicht zutiefst komisch? Und wie denken verstorbene Seelen?
