Das gute, einfache Leben oder: Sie hätten im Himmel keine Freude mit mir gehabt

19.04.2026

Mein Leben ist einfach geworden, seit ich dem Tod von der Schaufel gesprungen bin. Und ich war Ende 2022 wirklich sehr knapp tot - also halbtot, defacto fast tot. Ich habe, wenn ich im Dämmerschlaf im Bett gelegen bin (und ich bin einige Wochen nur im Bett gelegen), Gevatter Tod gesehen, er stand am Kopfende und wetzte seine Sense. Er hatte einen schwarzen Umhang an. Und die Sense war riesig. 

Aber jetzt bin ich ja wieder da - und ich bin gesünder denn je.

Das verdanke ich nicht nur der biomedizinischen Forschung, den CAR-t-cells, die ich im April 2023 im AKH Wien erhalten habe (meine eigenen, genetisch modifizierten T-Zellen), sondern auch meinem Lebenswillen. 

Ich hätte mich noch in der Himmelstür quer gestellt und gebrüllt: "Gott, ich kann meine Kinder nicht zurücklassen. Theresa ist doch erst 10 Jahre alt! N - E - I - N. Punkt."

Sie hätten im Himmel keine Freude mit mir gehabt. Ich hätte da oben herumrandaliert, ich hätte mir eine Leiter gebastelt, um wieder runter zu kommen - ich hätte Gott in unendliche Diskussionen über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit verstrickt. Anders gesagt:

Ich war nicht bereit zu gehen. Und habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Mission not accomplished! Zumindest solange meine Kinder nicht erwachsen sind.

Theresa ist nun 13 Jahre alt. Wir haben die typischen Diskussionen über die Kürze der Röcke und die Anzahl der Ohrlöcher. Ich bin für ein Loch in jedem Ohr. Sie für zwei. Pro Ohr. 

Das Leben ist wieder normal geworden.

Und es ist einfach geworden.

Auch wenn wir nun in einem alten Schloss wohnen. Hier in der Wachau. Wir haben es gekauft, weil es hier so schön ist (und es niemand haben wollte), und weil ich nun nicht mehr so viel arbeite. Ich habe Zeit, mich um den alten Garten zu kümmern und um das Haus. Ich bin nun quasi Gärtnerin und Hausbesorgerin in Personalunion. Ich pflanze Heilkräuter an - von der Kamille bis zum Langlebenskraut (Jiaogulan) - und beobachte die Falken, die Ringeltauben, die Spatzen, selbst die Krähen und die Enten, die hier täglich vorbeifliegen. Meist bin ich allein. Denn meine Familie fliegt morgens in alle Richtungen aus und kommt erst nachmittags oder abends wieder. Hin und wieder kommen Klienten zu mir - hin und wieder mache ich Körperarbeit oder gebe psychologische Behandlungen. 

Aber ich sehe mich in naher Zukunft im Schlossgarten mit vielen Menschen Qigong üben - im Oktober beginne ich die dreijährige Ausbildung. Immer schon wollte ich Qigong perfektionieren. Jetzt ist die Zeit gekommen.

Wenn ich meine Arbeit erledigt habe, gehe ich täglich meine Jauerlingrunde. Mehr oder weniger ein und denselben Weg. Ich entdeckt hier täglich Neues. Mein Leben ist einfach geworden, aber nicht langweilig. Ich habe die Forsythien noch nie so gelb gesehen wie in diesem Frühling. 

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