Das Heilwasser von Maria Steinbründl
Ich habe sie am Sonntag entdeckt, die kleine Kapelle im Wald - ganz in der Nähe von Pöchlarn und damit von meinem Zuhause. Sie liegt versteckt, hinter einem Wirtshaus, in dem es nach Schnitzel riecht. Da ich schon lange kein Schnitzel mehr esse (obwohl ich es mag) - ist der Geruch eine Versuchung. Aber auch die Wirtshaustafeln, auf denen in weißer Schrift etwas von Cremeschnitten und Malakofftorten steht. Das alles soll ich nicht essen. Keinen Zucker. Kein Fleisch. Es ist nicht gut für mich -
Etwas hat mich zu dieser Kapelle geführt. Ich fahre gerne am Wochenende mit meiner besseren Hälfte die Gegend rund um unser neues Zuhause in der Wachau erkunden - und sah das Schild nach "Maria Steinbründl" unscheinbar in der Nähe von Ybbs auf der Bundesstraße stehen. "Lass uns dort hinfahren!", säuselte ich. Und schon bog ich, ohne eine Antwort abzuwarten, in den Wald ein. Mein dunkelgrauer Abarth 500 mit den roten Skorpionfelgen ist ein kleiner, schneller Flitzer - mit dem sich auch enge Kurven rasant ausfahren lassen. Ich rase freilich nicht, aber ich könnte. Und wenn meine bessere Hälfte neben mir sitzt (nicht auf mir, oder hinter mir), dann bedeutet das - ich fahre!
Nach wenigen Minuten - wir durchquerten ein paar unbekannte Dörfer und kamen schlie´ßlich wieder runter zur Donau, nach Krummnußbaum - musste ich dem Navi folgen, um mich nicht in der Einschicht zu verlieren. Aber da war wieder eines - ein weiteres, braunes Schild Richtung "Maria Steinbründl" - diesmal musste ich allerdings nach links in den Wald einbiegen. Nach wenigen hundert Metern kamen wir an.
Rechterhand ein Gasthaus. Die Kapelle - dahinter versteckt.
Das Wasser, so steht in alten Zeitungsartikeln, die man dort gerade noch lesen kann (lange nicht mehr), habe heilende Wirkung, v.a. auch für die Augen, aber nicht nur.
Es ist kristallklar und fühlt sich wunderbar weich an. Wie Seide. Ich tauchte meine Augen in das kühle Nass. Und genoss. So sehr, dass ich heute gleich wieder hingefahren bin. Am Dienstag, also heute, ist dort kein Mensch. Auch wenn das Gasthaus wieder offen hatte und es immer noch - oder wieder - nach Schnitzel roch.
Es ist typisch österreichisch, heilige Orte auf irgendeine Weise zu verstecken. Und sei es nur durch eine schauderbar hässliche Kirche, die in den 70er Jahren dort aus dem Boden gestampft wurde (und die alte, liebliche Waldkirche ersetzt hat).
Aber das Wasser, es scheint hier unberührt von den Unarten der Menschen zu sein, scheint neben dem architektonischen Supergau zu entspringen. Ob es zu heilen vermag, das kann nur jede oder jeder für sich entscheiden.
