Nix mit Komfortzone? oder: Über die Stille in der Körperarbeit

14.06.2026

Gestern war ich seit langem wieder bei einer Fortbildung in Sachen Körperarbeit - ich bin ja Zen-Shiatsupraktikerin, aber schon seit Jahren auf dem Weg der Leerheit in der Körperarbeit - dem Sei-Ki. Es ist eine Herangehensweise des "Nicht-Wollens" und "Nicht-Tuns" - die Heilung kommt immer aus dem Inneren. 

In der Leerheit zeigen sich ohne Anstrengung jene Bereiche, die gerne berührt werden möchten. Und aus dieser Berührung kann eine Neuausrichtung hervorgehen.

Nun - gestern war beim Vortragenden von diesem Geist viel zu spüren. Nicht so bei den Teilnehmerinnen. Sie hatten ihre eigenen Konzepte, und die können, wie wir wissen, sehr stark sein. 

Ich wurde behandelt - vom Lehrenden. Ich spürte wie sich Spannung in meinem Nacken löste - ich atmete tief und frei. Es war ein wohltuender Fluss der Energien. Es brauchte nichts mehr. Das spürte ich auch so. Aber dann sollten wir üben - schließlich hatte ich mich ja für einen Kurs angemeldet. Und ich sagte zu der Kollegin, die neben mir auf der Matte saß:

"Du, ich glaube, ich brauche jetzt keine Behandlung. Es arbeitet gerade so gut in mir, fließt gerade so gut."

Sie schaute mich an und erwiderte:

"Ja, und? Ich möchte aber üben!"

Ok. Ja, was sollte ich darauf sagen?

Gar nichts.

Wir einigten uns darauf, dass ich sie zuerst behandeln sollte - sozusagen eine "Pause" eingelegt wurde. Aber dann war ich dran. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 

Ich legte mich auf die Matte. Wie es mir vorgeschrieben wurde. Und sie probierte die so eben gezeigten Techniken aus. Sie machte ihr Ding. Und ich lag da. Wie ein Ding. Zum Üben. 

Ich bekam Kopfweh.

Heftige Kopfweh.

Als es zur Feedbackrunde kam, sagte ich im Kreis sitzend:

"Ich fühle mich übertherapiert. Und wünsche mir nur meinen Garten und einen Baum, zum druntersitzen. Sonst gar nichts."

Da sitze ich nun - in meinem Garten. Und da ist mein Baum. Das Leben ist einfach und schön. Ich bin froh, wenn da niemand ist, der mir sagt:

"Nix mit Komfortzone!" Und mir dann mit spitzen Fingern in den Oberschenkel sticht. "Wirst Du wohl rausgehen aus Deiner Komfortzone. Na los! Hopp! Hopp!"

Ich liebe meine Komfortzone. Und die einzige Möglichkeit, diese Menschen zu umgehen, ist - die Stille. 

Die Ruhe. Wer in der Ruhe ist, kann zuhören. Lauschen. Was da kommen mag. Das ist Seligkeit. Frieden. Heilung. 

Heute wäre noch ein Seminartag gewesen. Ich bin in meinem Garten geblieben, nicht nach Wien gefahren. Ich werde auch in Zukunft in meinem Garten bleiben und die Stille suchen. 

Die Stille ist meine Lehrmeisterin - sie zeigt mir alles. Sie ist ruhig. Sie hört zu. Sie ist demütig. Bescheiden. Und so sanft. 

Alles Wesentliche im Leben bekommen wir geschenkt. Alles!


Share