Warum "das Gedächtnis" kein Behälter im Hirn ist
Wir geben allem einen Namen. Auch unseren "Erinnerungen" - dabei kommen und gehen sie, wie Gedanken oder Wellen im Wasser.
So ist das "Gedächtnis" auch nirgendwo zu "verorten" - ich keinen "Zellen", in keinen "Synapsen", in keinen "Strukturen" - es ist ein Name für eine Form der Rekonstruktion. Und diese Rekonstruktion vollzieht sich immer im Hier-und-Jetzt an einem bestimmten Ort. Diese Orte lassen uns innerlich etwas rekonstruieren, etwas, das uns dann im Inneren so real erscheint wie der Ort an sich. (Wollen wir etwas vergessen, ist es auch hilfreich, den Ort zu wechseln ...).
Als ich gestern wieder einmal in Wien war, rekonstruierte ich in meinem Inneren eine ganze Fülle an Erfahrungen - ich fuhr beim Eislaufverein (WEV) am Heumarkt vorbei, wo ich einen Großteil meiner Jugend verbracht habe. Der Anblick der Häuserzeilen genügte, um mir meine damaligen Freunde in Erinnerung zu rufen. Sie alle werden auch nächstes Jahr 50. So sie noch am Leben sind.
Ich habe ewig nicht mehr an den WEV gedacht - aber gestern bei seinem Anblick schon. Daran erkennen wir, dass "das Gedächtnis" nicht im "Hirn" zu verorten ist, sondern situativ im Hier-und-Jetzt etwas "in Erinnerung gerufen wird". Um im nächsten Augenblick wieder zu verschwinden. Wir Menschen neigen dazu, in "Kübeln" zu denken -
Manche könnten ihre Bücher auch "Kübel" nennen ... statt "Formen".
Wir Menschen sind sehr gut im Denken, und oft sehr schwach im Fühlen. Darum sieht es auf der Welt auch so aus. Wir denken zu viel und lassen zu viel denken - von anderen.
