Geschichten aus dem Schloss
R O T H E N H O F
Wir haben 2024 ein altes Schloss gekauft - am Eingang zur Wachau, in Emmersdorf an der Donau. Wir haben einen Neuanfang hingelegt, quasi ein neues Leben begonnen. Und das Haus war für ein Schloss billig, jedes simple Einfamilienhaus in Wien kostet mehr.
Es ist wie mit einem Pferd - gekauft ist es schnell, aber die Erhaltung von so einem alten Mauerwerk, die hat es in sich. Dazu der ganze Hofstaat, der gebraucht wird, um den Garten zu pflegen, die sieben Klomuscheln zu putzen, die Böden zu wischen. Es bräuchte mindestens zwei Hausangestellte, hab ich mir neulich ausgerechnet. Jemanden, der beim Putzen hilft und jemanden, um kleine Reparaturen zu machen und Bäume zu schneiden, von Zeit zu Zeit. Nun - ich sage es mit einem Wort: ICH. Das mache alles ich. Jawohl. Ich bin nicht nur Philosophin, Psychologin und Körpertherapeutin. Nein - ich bin nun auch Installateurin, Putzfrauin und Poolservicemitarbeiterin. Kurzum: Hausbesorgerin und Burgfräulein in Personalunion.
Der Witz an der Sache ist: Mein Studium war sowieso schon immer eine Themaverfehlung. Als Kind schraubte ich am liebsten an meinem Fahrrad herum, ich montierte Tachos und Trafos und freute mich daran, Kabel abzuzwicken und umzuleiten. Ich liebte das Handwerkliche. In unserer Firma in Wien durfte ich bald die Auslagen gestalten, Stoffe schneiden und hin und wieder auch die alten, riesigen Markisen runterkurbeln. Solch einfache Tätigkeiten machten mich immer schon glücklich. Keine Ahnung, warum ich ein Gymnasium besucht habe und dann studiert habe. Es hat mir nur Probleme eingebracht. Ich dachte zu viel nach, kritisierte die Texte, die ich zu lesen bekam, begann alles anders zu sehen - und? Was hat mir das im Leben gebracht? So ein Zieh- und Drückmechanismus einer Toilette hingehen, wenn das funktioniert - ist das nicht schön?
Früher habe ich diese Liebe zum Tun bei den Kindern ausgelebt. Ich wechselte nicht unbedingt mit Hingabe ihre Windeln, aber ich baute mit viel Enthusiasmus Kinderhäuser im Garten für sie und mit ihnen. Da schraubten wir und sägten wir tagelang herum - und am Ende bemalten wir die schiefen Konstruktionen. Oder ich suchte das neueste Wasserrutschenmodell, Sie wissen schon, diese Plastikplanen, die auf der Wiese ausgelegt werden. Dann war ich Vormittage lang damit beschäftigt, die kleinen mitgelieferten Haken so in die Wiese zu drücken, dass die Rutschkurve möglichst ideal - das heißt möglichst schnell - war. Einmal ist eine meiner Töchter dabei über die nasse Wiese hinausgesegelt und mit ihrem Hintern in einer betonierten Überlaufrinne gelandet. Es muss etwas in meinen Berechnungen zu optimistisch gewesen sein. Heute geht sie Tiefseetauchen. Ich glaube, dieses Erlebnis hat keine allzu nachhaltigen Spuren hinterlassen. In ihren Hirnwindungen, meine ich. Wir haben es einfach weggelacht. Vieles im Leben lässt sich weglachen. Selber schuld, wer das nicht tut. Vermutlich lässt sich sogar alles im Leben weglachen. Aber das führt nun wirklich zu weit.